Bündnis 90/Die Grünen

Kreistagsfraktion Pinneberg

Johannes Seifert und Rainer Darkow

Presseerklärung zur HVV-Ausweitung / ITV

Busse hui, Bahnen Pfui:
Dies ist der Eindruck, den die grüne Kreistagsfraktion bei einer Reihe von Terminen in den letzten Wochen gewonnen hat.
Vertreter der Kreistags- und Ortsfraktionen haben sich im April mit dem Geschäftsführer der SVG (Südholstein Verkehrsservicegesellschaft mbH - Kreise Pinneberg und Segeberg), Jürgen Lamla zum Meinungsaustausch getroffen. Dieser zog eine positive Bilanz der ÖPNV-Politik des Kreises Pinneberg. Die Ausweitung des HVV-Tarifs wird im Dezember in Kraft treten (wie auch ein neuer Schleswig-Holstein-Tarif) und gerade den Bewohnern des Kreises Vorteile bringen, z.B. die Nutzung der Züge nach Hamburg Hbf mit HVV-Karten. Lamla rechnet mit einem Zuwachs von 300 - 400 000 Fahrgästen, wenn auch die Anschlüsse kundenfreundlich gestaltet werden. Die Grüne Kreistagsfraktion ist besonders erfreut über die angestrebte Qualitätsverbesserungen: zum Beispiel klimatisierte Niederflurbusse im ganzen Kreis und die neue Buslinie Wedel-Pinneberg-Quickborn-Norderstedt.
Weniger positiv sieht die Kreistagsfraktion allerdings die Entwicklung im Bahnbereich. Dieser liegt anders als bei den Bussen nicht in der Verantwortung des Kreises, sondern des Landes. Bis zur Sommerpause müssen Kreis und betroffene Gemeinden (mit Bahnhof) Stellungnahmen zum Entwurf des landesweiten Nahverkehrsplanes abgeben. Der vorgelegte Entwurf ist nach Ansicht der Grünen viel zu unkonkret. Notwendige Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung und eine Kontrolle der Erfolge lassen sich hieraus nicht herleiten.
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Entwurfs bildet der zum ersten Mal aufgestellte Integrale Taktfahrplan (ITF) für Schleswig-Holstein. Den ITF sehen die Grünen als einen Meilenstein für den Öffentlichen Nahverkehr, für das Hamburger Randgebiet besteht aber noch dringender Nachbesserungsbedarf.
Zwei Beispiele hierfür:
* Der Bahnhof Tornesch bedient den zweipoligen Siedlungsschwerpunkt Tornesch-Uetersen mit etwa 30 000 Einwohnern (vergleichbar Ahrensburg). Im Gegensatz zu Ahrensburg gibt es keine direkten Verbindungen nach Kiel oder Hamburg Hbf. Bei den Reisezeiten nach Hamburg Hbf stehen Elmshorn und Wrist im ITF als Gewinner, Tornesch als Verlierer da. Diese Verschlechterungen für Tornesch finden sich noch nicht im realen nächsten Fahrplan der DB. Wenn aber der ITF langfristige Leitlinie sein soll, sind weitere Verschlechterungen für Tornesch zu erwarten.
* Der ITF sieht langfristig den Bahnhof Pinneberg nicht mehr als Haltestelle der RE-Linie Kiel - Hamburg Hbf vor. Damit wäre Pinneberg die einzige Kreisstadt ohne direkte Verbindung zur Landeshauptstadt. Auch heute schon wäre nach Lamlas Meinung eine Weiterführung der in Pinneberg endenden Züge aus Itzehoe zum Hauptbahnhof möglich.
Diese Befürchtungen konnten auch von der Landes- Verkehrs- Service- Gesellschaft (LVS) bei der Regionalkonferenz am 25. April im Kreishaus nicht ausgeräumt werden. Die Kritik aus dem Kreise Pinneberg ist zwar inzwischen offenbar in Kiel angekommen. Immer wieder wurde ausgeführt, dass der nächste Fahrplan keinerlei Verschlechterungen mit sich bringe, man aber wegen der ungewissen Zukunft keine langfristigen Aussagen treffen könne. Genau das aber dringend erforderlich: Verbesserungen und Konkretisierungen im ITF und Nahverkehrsplan.
Die Grüne Kreistagsfraktion fordert daher die LVS auf, die Zahlen über das Fahrgastaufkommen offen zulegen und die Vorschläge, die von der SVG zur kurzfristigen Verbesserung des Bahnverkehrs im westlichen Hamburger Umland gemacht wurden, umzusetzen. Langfristig darf auf gar keinen Fall eine Verschlechterung beim Schienenpersonenverkehr eintreten. Der Kreis Pinneberg braucht nicht ein weniger sondern ein mehr an gutem Öffentlichen Nahverkehr.
Pinneberg, 8.Mai 2002